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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 3, 2009

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Experten I:
Die Psychologie der Expertenkreise. Wenn ich ein Bein gebrochen habe, möchte ich es von einem  ärztlichen Experten behandeln lassen. Es würde mich irritieren zu hören, dass mein Fall einem Ingenieur übertragen wurde. Würde der Arzt mir jedoch erklären, dass er die Expertise des Ingenieurs brauchte, um die komplizierte Mechanik des Bruches überhaupt verstehen zu können, wäre ich sicher beruhigt.

Wenn ein Nicht-Experte ein Problem löst, das sich bisher einer Lösung widersetzte, ist dies den Experten eher unangenehm ("eigentlich müssten w i r doch darauf kommen") und für Kunden schwer zu akzeptieren ("wofür haben wir denn die Experten?"): Das Experten-Dilemma.

Deshalb bleibt man oft lieber unter sich und löst Probleme wie immer - oder eben nicht. So haben sich 18 Jahre Lang Ölexperten damit herumgeschlagen, dass sich nach dem Unfall der Exxon Valdez in Alaska 1989 das Öl mit Wasser verband und fror und deshalb nicht abgepumpt werden konnte. John Davis, kein Öl-Spezialist, sondern ein Experte aus dem Bauwesen schlug vor, das Öl flüssig und abpumpbar zu machen mit einem Rüttler, wie er beim Giessen von Fundamenten benutzt wird um den Beton flüssig zu halten (www.ideaconnection.com). Eine Nicht-Experten-Idee, die ein schwieriges Problem lösen half.

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Experten II:
"Der Pusher-Workshop". Wie hilfreich Aliens dabei sind, wenn neue Ideen und Lösungen gesucht werden, wurde an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben. Leider zeichnet sich im Zusammenhang mit der derzeitigen Krise ein Trend ab, zu sparen, indem man auf Aliens verzichtet und ausschliesslich mit den eigenen Experten arbeitet. Um dem entgegen zu wirken, biete ich seit einiger Zeit als Alternative zum klassischen Innovations-Workshop einen Pusher-Workshop an.

Die Grundidee: Ein reguläres Experten-Meeting "gegen den Strich zu bürsten", indem für etwa einen halben Tag 3 Externe und Aliens mit dabei sind und die Regie übernehmen mit dem Ziel:
- Irritation der gewohnten Denk-Muster
- Freiraum für Abweichendes schaffen
- Anregung durch Widerspruch ermöglichen
Ein Angebot für mutige Projekt-Verantwortliche.

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

Der Leiter Technologie-Management der Firma FEINTOOL war einer der Leser, die auf die neue analoge Digitaltechnik im letzten Heft reagierten. Er beschreibt einen konkreten Fall: "Die Idee mit der kontinuierlichen Digitaltechnik ist mir schon vor Jahren in einem Unternehmen für Pumpentechnologie untergekommen. Hintergrund: Das Hauptprodukt, die Vakuumpumpe, hat einen "elliptischen" (genauer: konchoiden) Pumpenraum, der mittels Fräsen in den gegossenen Pumpenkörper eingebracht wird.

Ein Durchbruch damals bestand bei der neuen Generation von Werkzeugmaschinen darin, dass diese Geometrie nicht mehr als Abfolge von Koordinatenpaaren beschrieben wird, die nacheinander vom Fräser angefahren werden (und so eben ein infinitesimal feines "Treppenmuster" ergeben, dessen "Stufen" durch Verwendung eines großen Fräseraussendurchmessers geglättet werden), sondern in Form einer Bahnkurve programmiert werden kann."

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Ein Kreativitäts-Spray für Ideen hat Martin Vetter in einem Innovationsworkshop im Rahmen meines Lehrauftrags an der Universität Jena eingesetzt:

Für ein Biotechnik-Unternehmen wurde nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für Biozellulose (von Mikroben hergestellter Zellstoff) gesucht. Eine der Ideen war es, Taucherflossen aus dem Material "wachsen" zu lassen. Biozellulose aber ist wasser-aufnehmend und damit die Idee nicht machbar. Martin Vetter, Wissenschaftlicher Assistent der Bauhaus-Universität Weimar, konterte: "Dann muss man eben einfach ein Spray drüber sprühen, um es wasserdicht zu machen".

Damit war die Idee gerettet. Im weiteren Verlauf des Workshops musste das Wunderspray noch mehrfach herhalten, um Ungewöhnliches möglich zu machen.

Was Herr Vetter hier intuitiv einsetzte, benutzen Kreative bewusst, um Gedankensprünge zu ermöglichen: ein Detail, für das man im Moment noch keine Lösung hat, wird vorübergehend durch einen Platzhalter wie z.B. ein "Wunder-Material" überbrückt und erst später dann bearbeitet.

Diese Expletiv-Technik (lateinisch "ergänzend", "füllend") oder Konfabulations-Technik ist wesentlich effektiver, als an einem Punkt, wo man nicht mehr weiterkommt, lineare Lösungsversuche fortzusetzen.

Das fällt aber den bevorzugt linear denkenden Ingenieuren ("ich kann da nicht so tun, als ob - das ist unlogisch!") meist nicht so leicht ...

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

Einfache Idee - zu einfach?:
Den Kupfer-Kern aus dem im Boden vergrabenen Telefonkabel herausziehen und dann in den entstandenen Hohlraum Glasfasern einblasen und zwar bis in die Wohnung. So könnte man aus einem Telefon-Kupferkabel ein modernes Glasfaserkabel machen - ohne die Strasse aufgraben zu müssen und umständlich das alte durch das neue Kabel zu ersetzen. Vielleicht müsste man noch ein Gleitmittel zwischen Kabelmantel und Seele pumpen.

Was sich wie eine naive Laienidee anhört, die fern von physikalisch-technischen Gegebenheiten (Reibung, enge Kurvenradien beim Abzweig in die Wohnung!) liegt, wird von dem österreichischen Unternehmen Kabel-X tatsächlich praktiziert! (Technology Review, 10/2009).

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Es gibt keine "guten" Ideen war die Hauptthese meines Vortrages "Bewertung anders inszenieren" bei der Tagung "Vorgehen und Methoden der Bewertung von Innovationsideen und -projekten" in Darmstadt, was auf Zustimmung, aber auch heftige Einwände stiess.

Es war eines von "7 Märchen der Bewertung", mit denen ich zeigte, dass der Bewertung als gestalterischem Element zu wenig Beachtung geschenkt wird. In Innovationsprojekten ist häufig zu sehen, dass das Ideen-Potential oft nicht erkannt wird, weil vorschnell nach "konventionellen" Gesichtspunkten bewertet und verglichen wird.

Ungewöhnliche Ideen werden auf diese Weise eher "domestiziert", statt exploriert.

(Ein ausführlicher Text dazu wird im Jahrbuch der Kreativität Anfang 2010 erscheinen).

Impuls VII ---------------------------------------------------------------------

III x III = IX:
Einen Rechner, der mit römischen Ziffern rechnet, entwickelte Claude Shannon, der Begründer der Informationstheorie und Pionier des Computerzeitalters, der auch den Begriff der Entropie in die Informationstheorie einführte.

Eine Ausstellung in Hannover zeigt, dass Shannon nicht nur ein genialer Denker war sondern auch ein vielseitiger Kreativer, der jonglierte, Einrad fuhr, ungewöhnliche spielerische Maschinen entwickelte und sie auch selbst handwerklich perfekt baute: wie z.B. eine Maschine, aus der beim Einschalten eine Hand ausfährt, die den Ein-Schalter wieder auf Aus kippt, ein raketengetriebenes Frisbee, eine Maschine zum Gedankenlesen, eine Jongliermaschine und anderes.

Shannon: "Ich habe viel Zeit mit vollkommen nutzlosen Dingen verbracht" - was ihn offensichtlich aber nicht hinderte, sehr nützliche und ernsthafte Dinge zu entwickeln. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28.Februar 2010 im Heinz Nixdorf Museum in Hannover..


© 2009 Arno Dirlewanger
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"Schweigende Meetings"
"Ideenfindung für Innovation neu inszeniert"
"Mr. Spock - I presume?! Science Fiction in German Companies"
"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 3, 2009
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