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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 2, 2009

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Nach 50 Jahren endlich eine Alternative zur ineffizienten heutigen Digitaltechnik und MP3: Die "kontinuierliche Digitaltechnik", ein Patent von Professor Dr. Horst Völz, Technische Universität Berlin.

Ein Kreis wird üblicherweise digitalisiert durch Aufrasterung und Annäherung der Kreisform mit "Treppen". Für jeden Punkt der Treppe müssen die x- und y- Koordinaten gespeichert bzw. übertragen werden. Um einen Kreis so darzustellen, dass er z.B. auf einem Bildschirm wie ein "sauberer" Kreis aussieht, müssen die Treppenstufen so klein sein, dass sie nicht mehr als Stufe wahrgenommen werden. Auf diese Weise kommen schnell einige hundert oder tausend Raum-Koordinaten zusammen, die übertragen oder gespeichert werden müssen.



Völz schlägt mit seiner kontinuierlichen Digitaltechnik dagegen vor, in diesem Fall nur die Koordinaten des Kreismittelpunktes (xm und ym) und den Radius (r) zu speichern oder zu übermitteln. Bei der Wiedergabe werden dann diese drei Werte in die Kreisgleichung (x-xm)+(y-ym)=r2 eingesetzt und so ein exakter Kreis erzeugt.

Für andere Kurvenverläufe werden mathematische Funktionen gewählt, die der Kurve angenähert entsprechen und dann nur deren Koeffizienten gespeichert oder übertragen. Bei der Wiedergabe werden diese Werte in die Gleichung eingesetzt und so der kontinuierliche Funktionsverlauf mittels eines Sägetongenerators erzeugt.

Eine normale Audio-CD hat 1,4 MBit/s, nach dem Verfahren von Völz werden nur etwa 0,1 MBit/s(!) benötigt. Die gewaltigen Redundanzen heutiger Digitaltechnik werden damit dramatisch reduziert. Völz wurde dafür zum Autor des Jahres 2009 von der Zeitschrift ELEKTRONIK gewählt.

In seinem Buch "Kontinuierliche Digitaltechnik", Aachen 2008, schreibt er als echter Innovator: "Die Nachteile der Kontinuierlichen Digitaltechnik be-stehen darin, dass völlig umgedacht werden muss und dass sie nur mühevoll und damit langsam die heute fest etablierte Digitaltechnik zunächst ergänzen und dann ablösen muss. Beides kann einige Jahre dauern."

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Kreativität heisst, immer den gleichen Weg gehen. Kreativitätstrainer und einschlägige Ratgeber empfehlen allerdings genau das Gegenteil: Eingefahrene Wege verlassen, andere Wege gehen, wie z.B. der Schriftsteller Günther Herburger, der beim Marathon bewusst Umwege läuft, um Neues zu sehen (siehe IMPULSE Nr 2/2008).

Demgegenüber sieht der englische Maler David Hockney in einem aktuellen Interview (FAZ, 25.7.2009) die Routine als kreativitätsfördernd an: "Wenn man immer wieder die selbe Strasse entlanggeht, fällt einem auf, dass sie jeden Tag anders aussieht, zu jeder Stunde. Kalifornien hat Jahreszeiten, aber ihr Wechsel ist kaum zu bemerken. Das hat Folgen für die Vorstellungskraft"

Wenn wir beobachten, wie wir selbst täglich den gleichen Weg gehen von der Wohnung zum Auto oder zum Arbeitsplatz, müssen wir wohl zugeben, dass uns die Routine eher blind als kreativ macht.

Die Hockney-Behauptung gilt also nur für (ohnehin) Kreative?

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

Kreativität heisst, das Bekannte in einen Rahmen zu stellen - oder: Kreative Nutzung des Scheuklappen-Effekts. Wie man wie Hockney in der Routine Neues sehen kann, zeigte gerade die Landesinitiative Stadtbaukultur NRW in Siegen. An 10 Orten der Stadt wurden 2-3 Meter grosse (Bilder-)Rahmen als mobile Sichtfenster aufgestellt, durch die man seine Stadt und das vermeintlich schon lange Bekannte plötzlich in einer neuen Perspektive sehen konnte.

Manchmal helfen auch schon zwei Hände mit ausgestreckten Daumen, um einen solchen Rahmen zu Durch die Begrenzung wird die Wahrnehmung fokussiert, und wir nehmen nicht nur die (vorher übersehenen) Details besser wahr sondern auch anders: Formen, Muster, Eigenschaften werden plötzlich sichtbar, die ohne Rahmen im Gesamtspektrum untergehen.

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Wenn alle Ideen schon mal gedacht sind, greifen am 16. März am Strand vom Cap de la Hague in der Normandie die angereisten Besucher zum Papprahmen und schauen durch das Loch in der Mitte. Ihr Ziel sind neue Ideen und Erkenntnisse in der "Schule der Horizontbetrachtung". Manche sitzen hier einige Stunden, manche tagelang, manche monatelang, einige jahrelang.

Bis 1811 sass hier auch der französische Mathematiker und Weltumsegler de Bougainville die letzten Jahre seines Lebens und schaute durch das Fenster seines Häuschens, dessen Rahmen den Blick stark einengte, auf das Meer. "Es ist alles erreicht, also suche ich nach Methoden, mir auf andere Weise das Vergnügen der Erkenntnisgewinnung zu verschaffen". Aus (pseudo-)dokumentarischen Texten hat das Liquid Penguin Ensemble darüber eine reizvolle Collage komponiert und mit 10 Übungen zum Umgangmit dem Papprahmen angereichert ("Bout du Monde" www.liquidpenguin.de).

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

"Kreativität fängt da an, wo der Verstand aufhört, das Denken zu behindern" (Vivienne Westwood, Designerin).

"Die Phantasie, von der Vernunft verlassen, bringt unmögliche Monstren hervor. Vereint mit ihr, ist sie die Mutter und der Ursprung der Wunder" (Francis de Goya, Prado Kommentar, 1799).

Oft werden Ideen verschenkt, weil sie in einem der Extreme verhaftet bleiben: im Phantastischen oder im "Vernünftigen". Sich von der Phantasie forttragen zu lassen, aber nicht im nur Phantastischen bleiben, sich gleichzeitig auch von Vernunft leiten, aber nicht bremsen zu lassen - dieser Balance-Akt zeichnet professionelle Kreativität aus. Gelungen scheint mir dies z.B. bei dem Digital Water Pavillon auf der EXPO in Saragossa 2008. Er besteht aus zwei Pfeilern und einem planen Dach, die Wände aus Wasser. Dabei sind es nicht einfach nur Wasservorhänge, wie man sie schon kennt, sondern das Wasser nimmt verschieden Formen und Muster an und bildet sogar ganze Buchstaben. Ermöglicht wird das durch 3000 digital gesteuert Magnetventile, Hydraulikkolben und Pumpen.

Wenn der Pavillon geschlossen ist, kann das Dach (immerhin 800 qm gross) ausserdem bis auf Bodenniveau heruntergefahren werden - mit Dach und Wänden verschwindet damit das Gebäude!(Deutsche Bauzeitschrift 3, 2009)

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Ausprobieren, wie der Drucker druckt, noch bevor er ausgepackt ist - das ermöglicht eine neue Art der Verpackung für elektronische Geräte, für die Apple ein Patent an- gemeldet hat: "Active Packaging"(AppleInsider, 2.Juli 2009).

Die Styropor-Polsterung in der Verkaufs-Verpackung ist dabei mit einer elektrischen Leiterbahn bedruckt, die die Verbindung zwischen dem Gerät in der Verpackung und einer externen Stromquelle herstellt. Eine pfiffige Idee, um im Laden schon eine Demonstration der Features und der Leistungsfähigkeit des Gerätes zu sehen. Noch pfiffiger wäre es, wenn die Verpackung intelligenter würde im Sinne von Verpackung = Gehäuse.

Impuls 7 ----------------------------------------------------------------------

Aus der DI-Werkstatt noch nicht realisierter Ideen:
Zufalls-Design von Produkten. Consumer-Produkte wie z.B. MP3-Player könnten mit einem Zufalls-Design versehen werden: Jedes einzelne Exemplar erhält über eine Zufallsgenerator bei der Produktion ("stochastic production") eine andere Oberflächenbeschaffenheit oder Grafik/Muster, andere Schalterformen oder spezielle "Stochastik-Ecken". Jedes einzelne Produkt hätte so einen spezifischen unverwechselbaren Fingerprint, wäre ein Unikat, und hätte dennoch das gleiche Markengesicht.

Impuls 8 ----------------------------------------------------------------------

Seitenwechsel:
Mit einer Expedition in die Nachbarwelten von Kunst und Architektur habe ich vor kurzem wieder einmal Möglichkeiten und Grenzen meiner eigenen Kreativität erkundet. Ich nahm an einem Wettbewerb der renommierten Architektur-Zeitschrift

arch+ teil. Ziel war die "Entwicklung eines neuen Materialsystems, das in Wechselwirkung mit der Umwelt steht und auf funktionale und performative Anforderungen eingehen kann". Mit meiner "Situativ frei formbaren Membran" aus Kunststoff und Draht gehörte ich schliesslich zwar nicht zu den fünf Preisträgern des Wettbewerbs, gelangte aber als Nicht-Architekt immerhin in die Auswahl der 11 besten von insgesamt 115 eingereichten Entwürfen.

In den vier Monaten bis zum Abgabe-Termin durchlief ich die Stationen, die mir von Innovationsprojekten her vertraut sind. Diesmal allerdings aus der Sicht des "Betroffenen": das Produzieren von Ideen, Entwerfen, Experimentieren, Verwerfen, Auswählen, Neu-Konzipieren, selbst die Schwierigkeit, die ungewöhnlichen Vorschläge von Aliens aufzugreifen ohne gleich zu sagen, das geht nicht. Eine gute Erfahrung, dieser Seitenwechsel.

Impuls 9 ----------------------------------------------------------------------

Andy Warhol liebte sie und Oskar Lafontaine setzte Sie massiv im Wahlkampf ein: die Polaroid-Camera.

Die sich rasant verbreitende Digitalfotografie überrollte die innovative Sofortbildfotografie und führte 2008 dazu, dass Polaroid die gesamte Produktion von Kameras und Filmen einstellte. Fans wie ich begannen Restbestände der Filme zu horten, und selbst die chinesische Produktion ist inzwischen ausverkauft.

Digitalkameras haben den Vorteil, dass ein Bild sofort wieder gelöscht oder gespeichert werden kann. Sie haben den Nachteil, dass die Bilder nicht sofort auf Papier sicht- und verfügbar sind. Polaroid hat den Nachteil, dass die Bilder endlich sind (Film), aber den Vorteil, sofort auf Papier zu erscheinen und dann nicht mehr an eine Kamera (oder PC) gebunden zu sein.

Seit kurzem hat sich nun Polaroiod mit dem "Feind" verbündet und aus beiden Innovationen eine weitere Innovation geschaffen: PoGo, eine Digitalkamera mit eingebautem Drucker nach dem Sofortbildprinzip. Der Slogan dazu "Snap.Print.Share" macht sehr einfach den USP des neuen Systems deutlich (gegenüber Kamerahandys, bei denen sich "share" nur auf das elektronische share beschränkt).


© 2009 Arno Dirlewanger
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"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 2, 2009
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