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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 2, 2008

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Beim Marathon auch mal zurück oder einen Umweg zu laufen widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Möglichst direkt und ökonomisch ans Ziel zu kommen ist die Maxime auch bei Innovation - insbesondere unter Zeit- oder Konkurrenzdruck, wo man sich solche "Eskapaden" nicht leisten kann.

Der Preis dafür ist, dass man dann Wege geht, die alle schon gegangen sind und da landet, wo alle landen.

Wie es auch unter extremer Zeit- und Ziel-Orientierung wie z.B. einem Marathon möglich ist, bewusst einmal zurück oder einen Umweg zu gehen, demonstriert der Schriftsteller und passionierte Marathon-Läufer Günter Herburger. Er sieht darin die eigentliche Anregung für seine Phantasie und kann bisweilen von den örtlichen Spezifika unterwegs detaillierter berichten als die TV-Kommentatoren (Deutschlandfunk, 6.4.2007).

Das allerdings erfordert eine spezifische "Kondition": Die Bereitschaft, sich gegen "die anderen" abzusetzen.

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

"Das Management muss lernen, häufiger unscharf zu denken", sagte der CEO von KonicaMinolta Roman Tihelka in einem Gespräch mit Dirlewanger. Denn von der Balance und dem bewussten Springen zwischen scharfem logischem und "unscharfem", intuitiven Denken lebt Kreativität.

Wie schwer das ist, zeigt sich immer, wenn "verrückte" Ideen konkretisiert und "machbar" gemacht werden sollen: Sie bleiben entweder utopisch (weil rein "kreativ" unscharf gedacht) oder werden konventionell (weil rein "logisch" gedacht). So wäre z.B. die Idee des "Bleche Vernähens" (siehe nächste Seite) überhaupt nicht weiterentwickelt worden, würde man "Nähen" in seiner üblichen Bedeutung rein "scharf" verstehen.

Es geht um eine gezielt eingesetzte temporäre Unschärfe als Strategie kreativen Denkens. Das war dann auch Thema der Trainings, die DI für die Führungsebene von KonicaMinolta durchführte.

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

Bleche miteinander vernähen.
"Dann nähen wir eben die Bleche für den Flansch zusammen", sagte ich als in einem Ideen-Workshop für einen Fahrzeugzulieferer nichts mehr zu gehen schien. Damit war für die meisten Teilnehmer klar: "Der hat keine Ahnung von der Materie" - "Ausgemachter Blödsinn".

Bis der Projektleiter ins Nachdenken kam und fragte "warum eigentlich nicht? - wenn man vorher Löcher bohrt und dann den Draht durchschiebt ... oder wenn man den Draht mit hoher Geschwindigkeit auf die Bleche schiesst? Wir hätten dann vielleicht eine Sicherheits-Verbindung gegen unerwünschte Manipulation, weil der Laie sie öffnen, nicht aber wieder schliessen kann ..." Nun soll in einer Studienarbeit diese Technologie weiter untersucht werden.

Bleche miteinander verrühren.
Statt Bleche miteinander zu vernieten, könnte man doch stumpf aneinanderstossenden Bleche miteinander verrühren?!

Ein schnell rotierendes Werkzeug fährt über den Stoss der Bleche. Durch Druck und Reibungswärme werden die Bleche weich und teigig und verbinden, "verrühren" sich miteinander. Genau dieses Verfahren - Reibschweissen genannt - wird z.B. beim Airbus A 380 angewandt und hat ihn um 12 % leichter gemacht (Technology Review, Nr. 9/2008).

Bleche wachsen lassen.
Eine weitere ungewöhnliche Blechbearbeitung ist das neue sogenannte Spaltumformen, das zur Zeit am Sonderforschungsbereich 666 der TU Darmstadt untersucht wird: das Blech wird an der Stirnseite y-förmig aufgespalten wie Papier oder Spaltleder.

Dabei wird es nicht scharf geschnitten sondern "fliesst" auseinander durch den Druck zwischen Spaltwalze und Hilfswalze. Das Blech wird in der Fläche "verzweigt" und erhält dadurch neue Trag- und Stabilitätseigenschaften. So lassen sich ganz neue Formen ohne Nieten oder Kleben erzielen, und es kann auf aufgenietete verstärkende Elemente verzichtet werden (hoch3, Nr. 1 2005).

Bleche aufblasen ist eine neue Technologie, die an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entwickelt wurde.

Zwei 0,8 mm dicke Stahlbleche werden aufeinander gelegt, eine Form ausgeschnitten und die Kanten dann miteinander verschweisst. Mit einem gewöhnlichen Luftkompressor wird dann mit 0,4 bar Luft zwischen die Bleche gepresst.

Die Bleche blähen sich wie aufblasbare Gummitiere auf. So wurden inzwischen verschiedene Stühle und Hocker hergestellt, die nun im Handel sind.

Das Verfahren ist wesentlich schneller und preisgünstiger als die im Automobilbau bekannte Innenhochdruckumformung (IHU), die Stempel und Matrizen benötigt (form, Nr. 221/2008).

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

"Die Lösung habe ich schon, ich weiss nur noch nicht, wie ich dazu komme", wird dem deutschen Astronomen und Mathematiker Carl F. Gauss (1777-1855) zugeschrieben, dem wir unter anderem die sogenannte Gauss`sche Normalverteilung verdanken.

Auch das eine - andere - Art von Unschärfe im Vorgehen: Das vorläufige Überspringen eines logischen Zwischen-) Schrittes, der dann im Nachhinein erst eingebaut wird als ein weiteres Prinzip kreativen Denkens.

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

Dass gemischte Teams aus Internen und Externen bessere Lösungen liefern als rein interne Teams, bestätigte gerade eine aktuelle Studie der Fachhochschule Ludwigshafen (PROJEKT MANAGEMENT aktuell, Nr. 1/2008).

Wir beobachten dies schon seit mehreren Jahren in Innovations-Projekten und haben darüber in IMPULSE Heft 3, 2005 berichtetet: im Schnitt stammen 2/3 der Ideen, die in die Endauswahl kamen, von Outsidern direkt oder wurden von ihnen angeregt.

Gemischte Teams gehören daher inzwischen zum Standard-Design meiner Innovations-Workshops. So waren z.B. in einer Workshopserie für neue Fahrzeug-Konzepte für einen deutschen Fahrzeughersteller als Externe dabei: Ein Generalist, ein Geologe, eine Service-Designerin, ein Knowledge-Manager und ein Musiker.

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Die Quantenmechanik von Ideen.
Das "Wildern" in fachfremden Gebieten ist ein Prinzip kreativen Denkens. Auf der Suche nach einem anderen Zugang, kreative Prozesse und Prinzipien deutlich zu machen, bin ich auf dem Gebiet der zur Zeit populären Quantentheorie fündig geworden. Wie bei der Kreativität sind auch für diese Disziplin Effekte typisch, die unserem normalen Denken zunächst widersprechen.

Ideen sind überlagert.
In der Quantenphysik kann jedes Teilchen zwei Zustände zur gleichen Zeit haben (z.B. 0 UND 1 gleichzeitig). Diese etwas ungewohnte Tatsache wird "Überlagerung" genannt.

Übertragen auf Kreativität: Jede Idee ist "überlagert" in dem Sinne, dass sie per se drei Zustände gleichzeitig haben kann: sie kann sowohl Einzelidee als auch Trigger als auch Teil einer Idee sein.

Sie nimmt erst einen der drei Zustände tatsächlich an, wenn jemand (quantenmechanisch gesprochen: ein Beobachter) einen Zustand bewusst wählt. Es liegt also an der Person, an dem Interpreten, nicht an der Idee selbst, was aus ihr wird (wie es so gerne gesehen wird).

Ideenschaum.
Im sogenannten Quantenschaum sind Raum- und Zeitdimensionen aufgehoben: es gibt kein eindeutiges vorne und hinten, kein früher und später.

Analog dazu befindet sich eine Idee im Ideenschaum bevor sie zum Ideenkonzept weiterentwickelt wird. Zeitliche oder logische Abhängigkeiten werden als (noch) veränderbar bzw. nicht vorhanden betrachtet.

Beispiel:
Grundidee "Massage-Sitz für PKW". Mechanismus und Form sind im Stadium des Ideenschaums noch frei "beweglich" für alle Manipulationen. Wenn man z.B. die logische RÄUMLICHE Abhängigkeit als verschiebbar ansieht, kann man gedanklich das Sitzpolster AUF den Fahrer setzen (statt umgekehrt) und kommt damit zu einem Polster, dass sich um den Oberschenkel teilweise herum legt ("auf" den Fahrer).

Wird die ZEITLICHE logische Abfolge (1. sitzen, 2. massieren) bei der weiteren Ausgestaltung der Idee verändert, kommt man vielleicht dazu, beim Öffnen der Türe dem Fahrer einen leichten Stromstoss zu versetzen, der die oberflächliche Muskulatur vor-massiert, bevor er dann auf dem Sitz Platz nimmt.

Der Ideenschaum wird so lange durchgearbeitet, bis - wie bei einer Skulptur - daraus das Ideen-Konzept geworden ist.

Impuls 7 ----------------------------------------------------------------------

Schweigende Meetings II. Der Bericht über schweigenden Meetings im letzten IMPULSE Heft wurde von der Zeitschrift TRENDLETTER in ihrer Ausgabe Nr. 7/2008 aufgegriffen. Eine ausführliche Beschreibung unserer Erfahrungen mit dieser Prozess-Innovation finden Sie unter www.dirlewanger-idee.de/papers.htm Die im gleichen IMPULSE-Heft vorgeschlagene Idee, eMails nur mittwochs zu lesen wurde in TRENDLETTER Nr. 9/2008 zitiert.



© 2008 Arno Dirlewanger
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