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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 3, 2007

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Produkt-Piraterie I
Gezielte De-Standardisierung einzelner Produktkomponenten schlägt das Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie in Aachen vor. Durch minimale Abweichung von den Normmassen soll ein Normteil vorgetäuscht werden, dessen Einbau aber zu Fehlfunktionen oder mangelhafter Leistung führt.

(Quelle: Fraunhofer IPT, Aachen: "Konsortial-Projekt Technology Know-how-Protection")

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Produkt-Piraterie II
Innovations-Workshops zur Produkt-Piraterie werden zunehmend nachgefragt. Die zentralen Fragen dabei sind: wie kann man bei be-stehenden oder neuen Produkten die Nachahmung und Reverse Engineering verhindern oder technologische Hürden oder Markteintritts-Barrieren schaffen?

So hat kürzlich ein Unternehmen zusammen mit Dirlewanger in einem Workshop zum Thema Produktpiraterie ein inzwischen realisiertes medizinisches Massenprodukt für Diabetiker entwickelt, das nur schwer nachzuahmen ist.

In einem ähnlichen Projekt wurde unter anderem auch die exotische Idee geboren, den Durchmesser eines Bauteils von 6 auf 7 mm zu erhöhen, weil die Zahl 6 in China "problemlos" bedeutet und die Zahl 7 Unglück bringen soll ...

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

Wie Innovation an Regeln oder Normen im Kopf scheitern kann, zeigt der Film "Flying Scotsman", der im Sommer in die Kinos kam. Er schildert, wie in den 70er Jahren der Schotte Graham Obree eine neue strömungsgünstigere Sitzhaltung beim Radfahren entdeckte durch die er zum mehrfachen Weltmeister in der Einzelverfolgung wurde.

Der Film beschreibt aber auch den Kampf gegen die Vorstellungen der Funktionäre, "wie ein Rennrad auszusehen hat", zumal er es auch noch ohne professionelle high-tech-Experten selbst zusammengebaut hatte. Es ist ein Beispiel, was es an persönlichem Einsatz manchmal kostet, Ideen auch unge-wöhnlich zu realisieren. Filmausschnitte sind zu sehen unter: www.flyingscotsman.de/trailer.php

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Gast-Beitrag von
Dr. Ralf Stopp (Leiter Zukunftsprojekte bei LUK):

Röstireibe im modernen Automobilbau: Was passiert eigentlich, wenn man einen Drehmomentwandler für Fahrzeug-Automatikgetriebe mit einer Küchen-Reibe für Kartoffeln kreuzt? Ja richtig, warum sollte man das Leitrad nicht als Blechumformteil ausführen statt wie bisher aus Alu- minium-Druckguss?

Auf diese Idee kamen Entwickler der Firma LuK GmbH & Co. oHG in einem Workshop in Zusammenarbeit mit Dirlewanger-Idee in der frischen Höhenluft des Schwarzwalds. Ähnlich wie bei einer Röstireibe sollten die Schaufeln des Leitrades aus einem Blechteil ausgeformt werden. In dem sich anschliessendem Projekt zeigte sich, dass diese Idee bezüglich Kennlinie, Bauraum und Gewicht Vorteile gegenüber der heutigen Ausführung hat.

Fazit: Wer neue Wege beschreiten möchte, muss zunächst in unkonventionellen Bahnen denken. Erst später kommen die bekannten Werkzeuge zum Zuge, um das entstandene Konzept bis zur Serienreife weiter zu entwickeln.

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

Die Türklinke einfach mitnehmen. Mit dieser pfiffigen Idee revolutionieren der Designer Claus Hencken und der Beschlag-Hersteller WSS die Zimmer-Türe; in einer Branche, bei der man vermuten könnte, Innovation spiele sich nur noch in Material-, Oberflächen oder Form-Varianten ab! Eindrücklich demonstriert ein Video das neue Prinzip unter www.drehschloss.de.

Nebeneffekt für Hotelzimmer, Bad oder WC: Wenn nur eine Türklinke montiert ist, nimmt man sie mit in den Raum und die Türe ist (ohne abzuschliessen) von aussen nicht mehr zu öffnen.

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Feinde der Innovation sind benchmark, best practice, open innovation, Trend-Management und stage-gate-process. Das war die These meines Vortrags beim Rotary Club Zürich-Dietikon.

Diese heute beliebten Instrumente sind oft dysfunktional, weil mit ihrem Einsatz die Verantwortung delegiert werden kann, sobald auf dem Weg zu Innovationen Schwierigkeiten auftauchen: "Wir sind doch dem Trend gefolgt!", "wir haben doch einen Prozess dafür!" heisst es dann oft.

Innovation bedeutet aber m.E., sich persönlich mit Ideen zu exponieren und eben auch jenseits des mainstreams Verantwortung für das Neue zu übernehmen. Innovation ist und bleibt also – trotz dieser Instrumente – unbequem.

Impuls 7 ----------------------------------------------------------------------

Wenige Tage nach Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 schoss der schweizer Astrophysiker und Erfinder der Kreativitätsmethode Morphologie, Fritz Zwicky, mit der Höhenforschungsrakete Aerobee ein Projektil ins All, das als erstes Objekt der Menschheit die Erdumlaufbahn endgültig verlassen hat. Es erhielt daher die offizielle Bezeichnung "Artificial Planet No. Zero". Das wurde erst jetzt bekannt (Neue Zürcher Zeitung 15.10.2007).

Zwickys als "Morphologie" bekannt gewordene Methode gehört heute zu den Standard-Techniken der Ideengenerierung und wird in vielen Ingenieur-Studiengängen im Rahmen der Konstruktionslehre unterrichtet.

Impuls 8 ----------------------------------------------------------------------

Eine Innovations-Wette wurde bei dem Unternehmen ixetic am Ende eines dreitägigen Innovationsworkshops mit den Teilnehmern abgeschlossen. Jeder gab seine Prognose über die im Workshop entwickelten und zur Weiterverfolgung ausgewählten Ideen-Konzepte ab: Werden die Ideen umgesetzt, ein Flop oder gar vom Mitbewerber realisiert?.

Die Prognosen wurden in einem versiegelten Umschlag bei DI deponiert und sollen im Jahre 2012 geöffnet werden. Man darf gespannt sein ...

Impuls 9 ----------------------------------------------------------------------

Was geschieht, wenn man die menschliche Innovationskraft schlagartig ganz ausschaltet und die Natur wirken lässt, zeigt das aktuelle Buch "Die Welt ohne uns – Reise über eine unbevölkerte Erde" von Alan Weisman (Piper Verlag):

Nach 2 Tagen stehen U-Bahn-Schächte ohne das ständige Abpumpen unter Wasser.

Nach 7 Tagen finden die ersten Kernschmelzen in Kernkraftwerken statt.

Nach 5 Jahren zerfallen die ersten Gebäude, die Strassen sind überwuchert.

Nach 20 Jahren sind Strassen zu Flüssen geworden.

Nach 500 Jahren sind die Städte durch Wälder ersetzt.

Nach 100 000 Jahren hat die Atmosphäre wieder das vorindustrielle CO2-Niveau.

Nach 10 Millionen Jahren künden als letzte Hardware-Relikte vom homo sapiens antike Bronze(!)-Skulpturen.

Nach 5 Milliarden Jahren verbrennt die Erde und es geistern nur noch Fernsehsendungen als Funksignale durch das Weltall.

Und was geschieht mit unseren Ideen? Die verschwinden sofort, wenn der Mensch und damit unser Gehirn und alle Dawkins-Meme verschwinden. Es sei denn, sie sind nicht in elektronischen Ideen-Datenbanken gespeichert, sondern auf Papier oder gar in Bronze-Tafeln gegossen ...

Impuls 10 ----------------------------------------------------------------------

Wie Produkt-Designer sich von Science Fiction anregen lassen, zeigte die Ausstellung "Tomorrow Now - When Design Meets Science Fiction" im Museé d`Art Moderne in Luxembourg, die im September zu Ende ging.

Ein hier ausgestellter Raumanzug aus dem Stoff afrikanischer Frauenkleider verblüffte auch mich und verlangte einige Gehirn-Akrobatik, um die Idee des Designers Yinka Shonibare zu verstehen. Auch der "Stuhl" des Bauhäuslers Marcel Breuer von 1926 zum Beispiel, der nur aus einer Luftsäule bestand, forderte die Vorstellungskraft heraus.

Für Schüler gab es eine "education box", die mit Bleistift, Clipboard und einem 10seitigen Informations- und Fragen-Heft zum Weiterdenken und Phantasieren anregte. Ich hätte mir analog dazu eine engineer-box gewünscht, die an alle Ingenieure verteilt wird und den Museums-Besuch zur Pflicht macht. Es wäre ein Training für Phantasie und Kreativität, die so manches Seminar ersetzen könnte.


© 2007 Arno Dirlewanger
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"Schweigende Meetings"
"Ideenfindung für Innovation neu inszeniert"
"Mr. Spock - I presume?! Science Fiction in German Companies"
"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 3, 2007
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