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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 3, 2006

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Langsamer ist besser und führt auch nicht zu den oft behaupteten Effizienzverlusten – das ist das Fazit eines Logistik-Unternehmens, welches seine LKW-Fahrer dazu anhält, auf zweispurigen Autobahnen nicht zu überholen.

Im Gegenteil: diejenigen Fahrer, die sich nicht dem Stress langwieriger und riskanter Überholmanöver aussetzten, waren gelassener und zufriedener, der Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge war nachweisbar geringer. Und: die meist geringfügigen Zeitgewinne durch die Überholmanöver waren im Gesamt-Zeitbudget unerheblich, das Unternehmen lieferte genau so pünktlich wie andere.

Zahlreiche positive Rückmeldungen anderer Verkehrsteilnehmer unterstützen die Strategie des Unternehmens zusätzlich.

Quelle: WDR5 "Profit", Radio-Sendung vom 25.10.06

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Risiko-Entschärfungs-Operatoren REO: Schwache, aber risikolose Ideen werden präferiert. In Ideen-Workshops wird bei der Auswahl von Ideen "schwer machbar" häufig gleich gesetzt mit "hohes Risiko" (zu teuer, kein Markt). Eine Idee mit – auf den ersten Blick - geringem Risiko wird einer Idee mit vermeintlich höherem Risiko in der Regel vorgezogen, selbst wenn die riskante Idee im Prinzip attraktiv wäre.

Schon das potentielle Risiko führt zur Ablehnung. Wie gross das Risiko tatsächlich ist,und ob man durch geeignete Modifikationen der Idee das Risiko mindern könnte, interessiert die Entscheider meist nicht.

In solchen Situationen suchen sie nach Entlastendem und nach Absicherung: nach sogenannten Risiko-Entschärfungs-Operatoren (REO), d.h. nach Möglichkeiten, das vermeintliche Risiko zu verhindern (Präventions-REO) oder zu mindern (Kompensations-REO). Solche REOs sind z.B. Marktforschung, Trends oder Expertenmeinungen.

Dieses Verhalten bestätigen die Untersuchungen von Professor Oswald Huber vom Department für Psychologie der Universität Fribourg. Huber stellte fest, dass diese Aspekte allerdings in der Entscheidungsforschung bislang kaum beachtet werden.

Neben dem technischen oder finanziellen scheint mir jedoch auch das "psychologische" Risiko bedeutsam: das Risiko, sich zu "blamieren" - durch Fehleinschätzung oder ungenügende Information. Die Auswahl "schwacher" Ideen und die Suche nach REOs ist daher auch als eine Strategie der Blamage-Prävention zu sehen.

Quelle: Psychologische Rundschau, 55 (3) 2004

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

Lehrmeinung I:
"Am Anfang habe ich vieles nicht so konkret gewusst. Ich hatte so ein Gespür, das muss so laufen, weil sich soviel angesammelt hat. Irgendwo ist da eine Tür oder ein Fenster, das man aufmachen kann, und wenn das erst mal auf ist, dann durchbricht man die ganze Wand".

So beschreibt Professor Dr. Stefan Hell vom Max-Planck-Institut in Göttingen den Zustand vor seiner Erfindung des Lichtmikroskops, welches eine 120 Jahre alte Lehrmeinung überwunden hat und von LEICA nächstes Jahr auf den Markt gebracht wird.

Das Risiko war hoch: Denn das neue Lichtmikroskop STED (stimulated emission depletion) dürfte es nach dem in allen Lehrbüchern stehenden Abbeschen Gesetz gar nicht geben: Dieses besagt, dass Details, die kleiner sind als die halbe Wellenlänge des sichtbaren Lichtes, nicht scharf abgebildet werden können.

Unter dieser Grenze können bislang nur noch Elektronen-Mikroskope scharf abbilden, aber nicht in lebenden Zellen. Beides kann nun genau das Mikroskop von Hell und ist damit dem Elektronenmikroskop überlegen. Heute schon unterschreitet das STED den Abbeschen Grenzwert um das zehnfache.

Hell benutzt dabei in die lebende Zelle einge-schleuste fluoreszierende Moleküle. Durch eine spezielle Anordnung von Laserstrahlen werden die Moleküle so angeregt, dass die Abbildung scharf wird.

Quelle: Deutsche Welle, "Projekt Zukunft", Radio-Sendung am 21.11.2006

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Lehrmeinung II
Ein Vierzylinder mit zwei Zylindern nur für die Verbrennung und zwei anderen nur für die Verdichtung. Mit dieser Idee stellt sich der Thermodynamiker Carmelo Scuderi gegen ein ebenfalls über 100jähriges sehr erfolgreiches Prinzip: dem 1876 von August Otto entwickelten Viertakter (Otto-Motor).

Im Otto-Motor wird bis heute in jedem Zylinder verdichtet und danach verbrannt. Scuderi hat bei seinem Motor Verdichtung und Verbrennung getrennt: ein Zylinder ist für die Verdichtung zuständig, der andere für die Verbrennung.

Nach herrschender Lehrmeinung verpufft dabei der Explosionsdruck weitgehend. Durch eine neue Art der Luftverwirbelung lässt Scuderi die Verbrennung aber so schnell ablaufen, dass dies nicht geschieht. Ein Prototyp ist für 2007 geplant, Lizenzen wurden bereits verkauft.

Quelle: Technology Review 11, 2006

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

Lehrmeinung III
Babies lösen Probleme, für die Experten keine Lösungen finden in dem Science Fiction-Roman "Dr. Parks Vorschule" von David Brin aus dem Jahre 1989.

Man nutzte hier die noch ungebahnten Gehirne und konfrontierte sie mit komplexen Ingenieurs-, Handels- und Verkehrs-Problemen, die sie nicht verstehen können.

"Sie wissen gar nicht, was sie da tun, aber das scheint nichts auszumachen. Es geht bei allem nur darum, die richtigen Fragen zu stellen und sie in Ruhe zu lassen, wenn sie neue Wege suchen", so der Projektleiter in dem Roman.

In der Tat: ungewöhnliche Ideen brauchen manchmal nur Schutz vor allzu schnellen Kritikern und vor dem Druck "gesicherter" Lehrmeinungen, um reifen zu können.

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Stühle machen unkreativ - das kann man in Innovations-Workshops immer wieder beobachten, wenn zwei oder drei Teilnehmer Ideen zu Ideen-Konzepten weiterentwickeln sollen: Im Sitzen neigen sie dazu, ausgiebig über die Idee zu diskutieren, auch über das, was offensichtlich nicht funktioniert. Sitzen scheint zum passiven, bewertenden Modus zu passen, ähnlich wie das unruhige Umhergehen das passive "Warten auf eine Eingebung" fördert.

Im Stehen dagegen wird eher an der Weiterentwicklung der Ideen und an Lösungen gearbeitet. Es hat sich daher bewährt, bei Ideen-Generierung und Ideen-Bewertung zwischen Stehen und Sitzen abzuwechseln.

Impuls 7 ----------------------------------------------------------------------

Der lange Weg der Blauen Luft von Alpha Centauri nach Franfurt: Im Jahr 2001 hatten wir in IMPULSE Nr. 2 und 3 über eine "verrückte" Idee berichtet, die in einem DI-Workshop mit WEBASTO entstanden war und in einer Science-Fiction Story von Ray Bradbury aus dem Jahre 1950 vorweggenommen wurde: die Luft im Fahrzeuginnenraum blau einzufärben. Kürzlich ist sie als "Vigilanz-Licht", das das Einschlafen des Fahrers verhindern soll, auf der Automechanika in Frankfurt von Volkswagen vorgestellt worden.

Zu kaufen gibt es sie aber auch schon im neuen Mini von Rover: mit einem Hebel am Rückspiegel lässt sich die Innenbeleuchtung von orange bis blau stufenlos einstellen ...



© 2006 Arno Dirlewanger
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"Ideenfindung für Innovation neu inszeniert"
"Mr. Spock - I presume?! Science Fiction in German Companies"
"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 3, 2006
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