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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 2, 2006

Impuls 1 ------------------------------------------------------------------------

Es ging hoch her im Innovations-Workshop bei STABILUS, dem führenden Stuhl-Gasfedern-Hersteller, als die Ingenieure und Marketing-Verantwortlichen von DI aufgefordert wurden, genau die Ideen weiter zu verfolgen, die bei der Bewertung schlechtabgeschnitten hatten. Die gut bewerteten Ideen sollten sie ad acta legen!

Hintergrund dieser inversen Bewertung ist, dass bei der normalen Vorgehensweise meist die Ideen bevorzugt werden, die gut vorstellbar sind. Damit bleibt man aber automatisch im Bereich des Bekannten. Die Ideen, die zunächst unvorstellbar erscheinen, sind jedoch oft die innovativsten.

Rolf Mintgen, Bereichsleiter Neuprodukte bei STABILUS meinte schliesslich: "Die heftige Diskussion war sehr wichtig. Sie öffnete mir die Augen, dass wir oft zu schnell wieder das Bekannte wählen".

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Innovations-Ästhesie: Der Ideen-Flaneur Xavier de Maistre unternahm als Bibliotheksdirektor und Offizier der russischen Armee 1790 eine 6-wöchige "Reise" in seinem Zimmer, die ihn in der Literatur berühmt machte. Sein Reisebericht ist bei Zweitausendeins kürzlich neu aufgelegt worden.

De Maistre entdeckte, dass das Vergnügen und die Ausbeute einer Reise ("wer eine Reise macht, kann etwas erzählen") mehr von der inneren Einstellung abhängt als vom realen Reiseziel. So sah er sein Sofa plötzlich als hochkomplexes Gebilde und als Quelle für Tagträume zu seiner beruflichen

Fahren wir in andere Länder, gar unter Extrembedingungen, haben wir in der Regel eine erhöhte Empfänglichkeit (Ästhesie), auch gegenüber Bekanntem (selbst den einfachen Laden um die Ecke finden wir in Salisbury plötzlich interessant), die wir nicht haben, wenn wir uns zu Hause in der gewohnten Zimmer-Landschaft bewegen.

Diese Innovations-Ästhesie, den offenen Blick, gilt es zu aktivieren - anregende Landschaften gibt es in der Regel genug, es kommt nur darauf an, sie zu entdecken und sich davon anregen zu lassen. Mit dieser Haltung könnten wir leichter das Innovationspotential sowohl "alter" als auch ganz neuer Ideen entdecken.

Übung in Innovations-Ästhesie:
Der Urlaubs-Monat ist vorbei, Sie waren vielleicht in einem Hotelzimmer oder einem Ferienappartement, das Sie sich (es war ja neu) sicher genau angesehen haben. Ihre Wahrnehmung ist also jetzt geschärft an der "Exotik". Versuchen Sie nun, diese erhöhte Empfindsamkeit auch in Ihrem Büro oder heute Abend in Ihrer Wohnung wieder herzustellen. Versuchen Sie, den Prozess der Gewöhnung umzukehren und Ihre Umgebung von der Verwendung abzukoppeln. Sehen Sie sich um, als wären Sie noch nie dagewesen.

Wenn Sie es schaffen, nicht wochenlang wie de Maistre, sondern heute mal 10 Minuten (wirklich mit der Uhr stoppen) und ein andermal 20 Minuten in einem Zimmer zu "reisen", sind Sie für wirkliche Neuerungen bestens aufgeschlossen.

Impuls 3 -----------------------------------------------------------------------

10 Innovationsmanager gingen in Zürich baden und langweilen sich demnächst beim 8. Erfahrungsaustausch des Netzwerks "Innovationsmanager", das Dirlewanger vor 3 Jahren ins Leben gerufen hatte. Zu Gast im Bootshaus der Nummer 1 der Rückversicherer, der SwissRe, tauschten sie sich am Zürcher See über Ihre Erfahrungen und Probleme mit dem Geschäft der Innovation aus.

Diesmal war zusätzlich als Gast der Physiker und D2-Astronautenanwärter Dr. M. Harder aus Freiburg eingeladen mit dem Thema: "Wie kommt das Neue in die Welt? - Mechanismen radikaler Innovation".

Zwei Botschaften fanden dabei besonders Anklang: Ideen entstehen lassen, indem das rationale Raum-Zeit-Gefüge aus unserem Newtonschen Denken immer mal wieder zugunsten eines "Waberns" gemäß den kreativen Mechanismen der Quantentheorie aufgegeben wird, sowie die daraus resultierende Drei-Phasen-Technik Arbeit-Langeweile-Arbeit. Was "Wabern" und Langeweile real bedeuten, wollen die Innovationsmanager beim nächsten Treffen im Herbst am eigenen Leibe ausprobieren: einen Tag lang "Open Process" stehen auf dem Programm.

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Ingenieure und Mediziner von B.BRAUN auf Innovations-Expedition. Das internationale Treffen von 19 F&E-Verantwortlichen des Medizinkonzerns inszenierte Dirlewanger als eintägige Expedition mit drei Stationen:
Kreativität und Innovation
- wollen
- dürfen
- können.

Ziel: Einen neuen Blick auf Kreativität und Innovation in der F&E werfen, die eigene Praxis reflektieren und Anregungen erhalten.

Bei jeder Station wurden provokative Inputs und Vorschläge "beyond the track" gezeigt, wie das Wollen, Dürfen, Können im Unternehmen realisiert werden könnte. So zum Beispiel: Aliens in Residence als Stimulatoren, Ideen-Brüter oder Science Fiction-Training.

Mit der Star-Trek-Bewertung wurden am Schluss des Tages drei Ideen ausgewählt, die weiterverfolgt werden sollen:
- Leidenschafts-Assessment
- Annahmen-Shift
- Leader-Strategie (inverse Bewertung)
Ein Vorhaben davon ist bereits auf dem Weg.

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

TRIZ-Fehler. TRIZ einmal ganz anders: nicht zur Erzeugung von interessanten Ideen, sondern zum Auffinden möglicher Fehler, wurde die TRIZ-Galerie von Dirlewanger in einem Fehler-Workshop bei einem namhaften Hausgerätehersteller eingesetzt. So wurden drei Fehlerursachen entdeckt, an die das Projektteam bisher noch nicht gedacht hatte.

Das Erfindungsprinzip Asymmetrie z.B. kann auf die Idee eines neuen asymmetrischen Ankers bringen, aber auch auf den Fehler, dass vielleicht eine Asymmetrie oder Unwucht der Welle vorliegt.

Dass TRIZ auch "umgekehrt" funktionieren kann, erfuhr der Projektleiter, der mit TRIZ schon vertraut war, als er sich dabei ertappte, dass er im Workshop ganz automatisch nach Ideen suchte statt nach Fehlern. So kann es auch gehen.

Impuls 6 ----------------------------------------------------------------------

Quer-Innovationen für BOSCH Packaging Group waren wieder einmal das überraschende Ergebnis in einem DI-Workshop, bei dem es eigentlich um neue Maschinen ging: Neben den Ideen für die eigentliche Aufgabe, sind als spin-off eine Reihe von Ideen entstanden für die Produkt-Pflege, das "Tagesgeschäft" also. Ein immer wieder erfreulicher Neben-Effekt.

Impuls 7 ----------------------------------------------------------------------

Die Präzision der Ungenauigkeit:"Etwa da", sagt der Tanz der Bienen, wenn der Standort von Futterquellen an die Artgenossen weitergegeben werden soll.

Die Zoologen A. Weidenmüller und T. Seeley von der Universität Erlangen und Cornel in USA entdeckten, dass die Bienen in Ihrem Tanz, den sie zur Kommunikation benutzen, offenbar die Standorte der Futterquellen ungenau angeben (während die Standorte der Bienenkästen sehr präzise kommuniziert werden).

Die gezielte Ungenauigkeit im Tanz führt dazu, dass die Artgenossen auch bei unterschiedlich weit entfernten Futterquellen stets im Umkreis von etwa 5o Metern suchen. Eine präzise Wegangabe würde bei Abweichungen in die Irre führen und möglicherweise fruchtbare Quellen in der unmittelbaren Umgebung ausser Acht lassen. So entsteht ein sinnvoller Such-Spielraum.

Ähnlich ist es mit Innovations-Zielen. Wird die Aufgabe zu genau beschrieben, z.B."ein neuer Soft-Drink für Ältere ab 50, der zum Essen getrunken wird", bleiben möglicherweise fruchtbare Suchfelder in der Nähe unbeachtet. Gleiches gilt für das Wissen über die Aufgabe: zu viel Detail-Information bremst, zu wenig Wissen lässt uns im Nebel suchen. Wie der Bienen-Tanz ist es auch hier eine Kunst, für die Unschärfen-Zone das richtige Maß zu finden.

(Quelle: A. Weidenmüller, T. Seeley (1999) "Imprecision in the waggle dances of the honeybee for nearby food sources: error or adaptation?", Behavioral Ecology And Sociobiology, 46: 190–199)

Impuls 8 ----------------------------------------------------------------------

Der "homo aspergerus" könnte der Innovative der Zukunft sein. So jedenfalls sieht es der amerikanische Literaturwissenschaftler Gary Westfahl. Wie Professor Mattheck in der vorigen IMPULSE - Ausgabe, plädiert auch er dafür, der Informationsflut und der Vernetzung sich zu entziehen, um eigene, neue Gedanken und Ideen entstehen lassen zu können.

Denn "wenn man pausenlos zuhört, was der Rest der Welt denkt, wird man zwangsläufig so denken, wie der Rest der Welt". Am Beispiel seiner Studenten: "Sobald sie das Seminar verlassen, greifen die meisten Studenten nach ihren Handys, setzen Kopfhörer auf oder hocken sich hin und surfen im Netz, überprüfen ihre eMails - sie wollen nie alleine sein und sie müssen nie alleine sein".

Im medizinischen Sinne ist das sogenannte Asperger-Syndrom eine leichte Form des Autismus mit Empathieschwäche, Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Unangepasstheit.

Menschen, die sich ähnlich dieser Symptomatik verhalten, hält Westfahl für die zukünftigen Innovatoren: "Während der Verstand aller übrigen Menschen in den Zeitgeist der gegenwärtigen Zivilisation verstrickt ist, werden jene, bei denen man das Asperger-Syndrom diagnostiziert, diejenigen sein, die brillante neue Ideen haben, dauerhafte Kunstwerke schaffen oder neue Arten entwickeln, die Welt zu betrachten".

(Quelle:www.locusmag.com/2006/Features/ Westfahl_HomoAspergerus.html)


© 2006 Arno Dirlewanger
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"Ideenfindung für Innovation neu inszeniert"
"Mr. Spock - I presume?! Science Fiction in German Companies"
"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 2, 2006
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