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"Dirlewanger Innovations Impulse"  
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Nr. 2, 2000


Impuls 1 -----------------------------------------------------------------------

Die Ausbreitung eines neuen Stils im Unternehmen wird bestimmt
1.- von der Intensität der Belohnung für den neuen Stil
2.- vom Vorleben des neuen Stils und dem Unterlassen des alten. Das war die These in der letzten Ausgabe von IMPULSE, die wir aus dem Modell des „Territorialen Gefangenen-Dilemmas“ abgeleitet haben.

Nicht ganz einverstanden damit ist Dr. Jan Sperling, Senior-Consultant des Beratungs-Unternehmens COVERDALE. Er schrieb, dass nach seiner Erfahrung die sofortige Belohnung der ersten Anzeichen eines neuen Stils wichtiger seien, was z.B. auch das Prinzip des „1-Minuten-Managers“ ist. Und: „Vorleben wird wenig nachgelebt - eher als „Druck“ empfunden“.

Uns scheint jedoch, dass Belohnung die „notwendige“ Bedingung ist, das Unterlassen oder Vorleben dann die „hinreichende“ für die Verbreitung. Für die Promotoren des neuen Stils ist die zweite Bedingung entlastend. Sie müssen nicht immer „für“ etwas kämpfen, sie können auch mal „lassen“.

In diesem Zusammenhang weist Gerd Heiligenstühler, Projektmanager aus Berlin, darauf hin, dass nicht nur die Belohnung entscheidet, sondern „die Handlung durch Angst bestimmt wird und weniger durch Aussicht auf Erfolg. Angst kennt jeder“, sagt er, „sie ist aber tabu. Erfolg wäre schön, aber keiner weiss recht, wie“

Impuls 2 -----------------------------------------------------------------------

Die Fortpflanzung von Ideen und Verhalten funktioniert durch Mutation und Selektion, postuliert Professor R. Dawkins aus Oxford, der durch sein provokatives Buch „Das egoistische Gen“ bekannt wurde. Er kreierte dafür den Begriff des Mems. „Beispiele eines Mems sind Melodien, Gedanken, Schlagworte, Kleidermode...  So wie Gene sich im Genpool vermehren, indem sie sich mit Hilfe von Spermien oder Eiern von Körper zu Körper fortbewegen, so verbreiten sich Meme... indem sie von Gehirn zu Gehirn überspringen ...Wenn ein Wissenschaftler einen guten Gedanken hört oder liest, so gibt er ihn an seine Kollegen und Studenten weiter... Kommt der Gedanke an, so kann man sagen, dass er sich vermehrt, indem er sich von einem Gehirn zum anderen ausbreitet“ (R. Dawkins, Das egoistische Gen,1978).

Auf die Meme machte uns Andreas Fassbender, R&D manager for Support and Network von Hewlett Packard aufmerksam. Der Stil - ein interessantes Thema offensichtlich. Vielleicht können uns solche ungewöhnlichen Ansätze und Perspektiven zu neuen Erkenntnissen führen. Wir bleiben am Thema dran ...

Impuls 3 ------------------------------------------------------------------------

Geburtshelfer für neue Ideen zu sein, ist  eine der Aufgaben des Externen. Im Innovations- oder Problemlösungsprozess nimmt er aber auch noch eine Reihe anderer Rollen wahr:

Regisseur
Lange vor der „Geburt“ einer Idee arbeitet der Externe als Regisseur um die Projektziele und insbesondere die innere  Einstellung zu Risiko und Innovationshöhe mit dem Projekt- und Problem-Owner zu klären. Auch bei der Auswahl des geeigneten Projektteams, dem Casting, entscheidet er mit. Hier müssen nicht nur strategische Positionen angemessen besetzt sein. Besonders wichtig ist es, dass Menschen mit unterschiedlichen Denkstilen im Team präsent sind, um Synergien entfalten zu können.

Geburtshelfer
Als Geburtshelfer begleitet er das Team durch die Phasen der Ideen-Generierung, -Konkretisierung und -Realisierung: Er hält geeignete Instrumente bereit, um das vorhandene Wissen und die Kreativität in Form von Ideen an das Tageslicht zu bringen, Krisen und Komplikationen zu meistern. Er sorgt für die anregende Atmosphäre, bremst hier, „presst” da und freut sich mit dem Team, wenn wieder einmal zukunftsträchtige Ideen das „Licht der Welt” erreicht haben.

Katalysator
Die Rolle des Externen an dem sich die Geister scheiden, ist eher gefragt bei der Prüfung der strategischen Überlebenschancen einer Innovation und im Realisierungsprozess, um zu verhindern, dass der Originalitätsgrad “heruntergekocht” wird.

Entführer
Als Berater und Moderator sollte der Externe auch in der Lage sein, die Mitarbeiter mental in andere „Welten“ zu „entführen“. Denn auch kreative Arbeit kann sich festfahren, und dann ist eine geistige Auszeit, ein mentales Moratorium erfrischend. Von „Gehirn-Jogging“, Musik- Meditation oder Experimenten mit anderen Themen bis zu einer Runde Bogenschießen haben sich unterschiedliche „Entführungsmethoden” bewährt.

Antreiber
Der “Antreiber” schliesslich ist gefragt, wenn frische Impulse nötig sind, um den stockenden Ideenfluss zu stimulieren oder in den unvermeidlichen Tiefs eines Projektverlaufs, wenn das Team Ermunterung oder Anfeuerung braucht um aus den eingefahrenen Bahnen herauszukommen.

Impuls 4 -----------------------------------------------------------------------

Der DAF im Kopf. Wer DAF als holländischen Kleinwagen der 6oer Jahren noch kennt, der denkt automatisch: „peinlich lahme Ente für ältere Damen“. Ging der DAF letztlich an dem looser-Image seines „Variomatic“-Antriebs zu Grunde, so versucht heute AUDI, sich einen Vorsprung durch die Wiederbelebung genau dieser Technik zu sichern!

Die Idee ist genial einfach: Ein stufenloses Getriebe. Ein flexibles Band (Transmissionsriemen) läuft zwischen zwei kegeligen Scheibenpaaren, die durch Spreizen oder Zusammendrücken ihren Durchmesser ändern. So wird das Übertragungsverhältnis für das Band stufenlos variiert. Damit ist eine kontinuierliche, „unendliche“ Anzahl verschiedener Übersetzungen möglich. Es gibt keine Schaltvorgänge wie bei üblichen Schalt- oder Automatik-Getrieben. Die Vorteile: Keine Zugkraftunterbrechung, der Motor arbeitet stets im optimalen Drehzahlbereich, schnellere Beschleunigung, weniger Verbrauch.

Der Nachteil des DAF-Systems damals war, dass das Band aus Gummi bestand und somit wenig Kraft übertragen werden konnte (Skurrilität am Rande: der DAF konnte auch rückwärts bis 13o km/h fahren).Das ist heute dank High-Tech anders: Eine massive Edelstahl-Gliederkette, mit deren Abbildung AUDI in Anzeigen wirbt, verkraftet auch die 193 PS des A6.

Der zentrale „Nachteil“ des Systems aber ist, dass beim Beschleunigen Motordrehzahl und Beschleunigung subjektiv nicht übereinstimmen. Die Motor-Drehzahl bleibt nahezu konstant. AUDI befürchtet deshalb, dass dieses ungewohnte Verhalten an den DAF erinnert oder den Eindruck vermittelt, der Wagen beschleunige „eben doch nicht so“.

Statt das Neue des Systems besonders herauszustellen, versucht AUDI, das eigentlich ideale stufenlose System künstlich dem bekannten Getriebe-Verhalten ähnlich zu machen: Das Auto hat einen (nicht notwendigen!) Schaltknüppel mit 6 Gängen, der bedient werden kann, als hätte man ein Schalt- oder Automatik-Getriebe! So soll das Neue allmählich vertraut gemacht werden.

Das Neue erfordert eben manchmal (Schalt-)Stufen und seien es auch künstliche...

(Quellen: Frankfurter Rundschau 6.11.99, Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.1o.99, www.audi.de, www.honda.de)

Impuls 5 -----------------------------------------------------------------------

Über den „Lotus-Effekt“ können Sie etwas nachlesen unter www.zfu.ch

Impuls 6 -----------------------------------------------------------------------

Um 18o Grad um die Ecke gedacht hat ein Berliner Hersteller einer neuen Schutzkappe für Sechskant-Schrauben: In der Schutzkappe befindet sich eine in einer Rille frei bewegliche Kugel, die in Normalstellung Kappe und Schraubenkopf fest und bündig miteinander verbindet. Wird die Schraube um 18o Grad gedreht, fällt durch die Schwerkraft die Kugel in das andere Ende der Rille und gibt den Schraubenkopf frei. Die Schraube kann geöffnet werden.

Eine clevere Idee gegen Fahraddiebstahl: die Räder können nur abgeschraubt werden, wenn das Fahrrad um 18o Grad gedreht auf Sattel und Lenker (Reparaturstellung) steht. Das wiederum ist nicht möglich, wenn das Fahrrad angekettet ist.

(Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung 18.4.2ooo)

Impuls 7 -----------------------------------------------------------------------

Schlaf ist der neue Luxus sagt Jeff Bezos, Gründer und Chef von amazon.com und beharrt auf seinem Acht-Stunden Schlaf. Da heute immer mehr Menschen zu Hause mit dem PC arbeiten, ist der „kurze Schlaf des Erfolgreichen“ kein Unterscheidungsmerkmal mehr.

Und: wer gleich nach dem Seminar in Tiefschlaf verfallen kann, lernt auch besser. Das behauptet eine Studie der Harvard Universität. Da während der Schlafphase ein intensiver chemischer Austausch zwischen dem Hippocampus (Kurzzeitspeicher) und der Grosshirnrinde (Langzeitspeicher) stattfindet, wird das Gelernte aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis übertragen und die entsprechenden Nervenverbindungen gefestigt.

(Quelle: www.harvard.edu, Frankfurter Rundschau 2o.4.2ooo)

Impuls 8 -----------------------------------------------------------------------

Mit dem C1 von BMW können wir gerade die Einführung und den Erfolg oder Misserfolg eines revolutionären Produktes auf der Strasse sozusagen live beobachten.

Der C1 ist ein Zweirad mit Dach, bei dem  -  das ist der USP - keine Helmpflicht besteht, dafür ein Sicherheitsgurt angelegt wird. 199o begann die Entwicklung, im vergangenen Jahr erschienen erste Prototypen und inzwischen auch zurückhaltende Werbung in den Printmedien. Im Mai ist der 1oo kmh schnelle CI für DM 999o.- zu kaufen. Wie mit dem AUDI-Getriebe (siehe Impuls 3) wird auch hier mit dem technisch revolutionären Konzept eine Leader-Strategie verfolgt, aber in der Kommunikation und im Handling behutsam Brücken zum  Bekannten gebaut. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt.


© 2000 Arno Dirlewanger
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"Dirlewanger Innovations Impulse" Nr. 2, 2000
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