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KREATIVITÄTS-SEMINARE
UND MITTELALTER
 
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© 2008 Arno Dirlewanger

KREATIVITÄTS-SEMINARE UND MITTELALTER

Nachdem inzwischen jeder Lehrer und jeder Universitäts-Dozent von seinen Schülern oder Studenten öffentlich im Netz ob seiner „Fähigkeiten“ angeprangert werden kann, sind nun auch (Kreativitäts-)Trainer im Visier.

Initiiert worden ist diese Art der Bewertung wohl in der guten Absicht, die Qualität der Lehre zu verbessern – in der Annahme, dass ein gut bewerteter Lehrer automatisch besser wäre als ein schlecht bewerteter. Das muss aber keineswegs so sein: wenn ich weiss, dass ich bewertet werde, unterrichte ich so, dass ich „gute Noten“ bekomme. Es  dürfte jeder Management-Trainer wissen, wie er gute Seminar-Bewertungen erhält: z.B. keine unbequemen Fragen stellen, keine Verhaltensänderung einfordern, Erfolgsgeschichten zum Zuhören liefern und „Trendiges“ geschickt verpackt und konsumfertig anbieten.

Selbst auf Kreativitäts(!)-Kongressen ist es inzwischen Usus, am Tages-Ende die „best presentation“ und am Kongress-Ende gar „best of the best“ zu küren. So wenig der Pranger im Mittelalter die Kriminalitätsrate senkte, so wenig trägt die öffentliche Bewertung zur besseren Lehre bei. Im Gegenteil: Es werden DINC-Seminare am Ende herausgemendelt (double income, no content). Genau dazu bot mir kürzlich eine Agentur an, meine Seminarbeurteilungen ins Netz zu stellen um so mehr Umsatz zu erzielen.

Im Bereich Kreativität und Innovation ist aber das Neue, das Aneckende, auch das Nicht-erprobte interessant, das nicht sofort auf Akzeptanz und eine „gute“ Bewertung bei Teilnehmern stösst. Es muss daher für einen Trainer auch möglich sein, Teilnehmer auf neue Weise zu fordern, ungewöhnliche Inhalte oder Designs zu erproben, ohne gleich die Schere der Teilnehmer-Bewertung im Kopf zu haben.

Auch wenn ich selbst schon zu der „Ehre“ kam, als best of the best gewählt worden zu sein, bin ich der Meinung, dass öffentliche Seminarbeurteilungen nicht zur Qualitätsverbesserung beitragen. HR-Verantwortliche sollten die Seminarbeurteilungsbögen abschaffen und sich vielleicht lieber selbst in ein Seminar setzen und danach entscheiden, ob es geeignet ist, sprich, ob es mainstream ist oder vielleicht doch ein interessantes Experiment, das nicht völlig nebenwirkungsfrei und folgenlos im Arbeitalltag untergeht ...




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